Heilpädagogische Tagesstätten in Bayern - Ein erfolgreiches Modell für die Jugendhilfe?

– so fragen Prof. Dr. Michael Macsenaere vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz (IKJ) und Dipl.-Psych. Georg Geißler in ihrem kürzlich erschienenen Fachartikel.

Die Autoren greifen dabei auf den umfangreichen Datensatz der Evaluation erzieherischer Hilfen (EVAS) zurück und vergleichen bayerische heilpädagogische Tagesstätten (HPT) mit denen anderer Bundesländer – mit eindeutigen Ergebnissen:

  • In bayerischen HPTs gelinge es deutlich besser die Ressourcen von Kindern und Jugendlichen auszubauen und die anfangs vorhandenen Defizite zu verringern. Die Hilfen wiesen insgesamt eine „erheblich höhere Effektivität“ auf.

Erstaunlich sei dies vor allem, da die in Bayern aufgenommenen Kinder eine stärkere Symptomatik zeigten und über weniger Ressourcen verfügten.

Positive Auswirkungen zeige v.a.

  • das in Bayern jüngere Aufnahmealter
  • eine gute Kooperation insbesondere zwischen Kind und Bezugsbetreuer
  • eine ressourcenorientierte pädagogische Herangehensweise
  • eine heilpädagogische Konzeption und Förderung
  • begleitende psychotherapeutische Interventionen
  • eine etwas längere Betreuungsdauer

Ein in anderen Bundesländern höherer wöchentlicher Betreuungsumfang erhöhe hingegen nicht zwangsläufig die Effektivität.

Die bayerischen HPTs sind mit ihrer intensiven heilpädagogischen und therapeutischen Förderung der Kinder und Jugendlichen demnach auf einem sehr guten Weg. Der Studie zufolge sind sie sogar „überdurchschnittlich effektiv“.

Der Fachartikel ist erschienen in der Zeitschrift „Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen - Zeitschrift für die psychosoziale Praxis, 1/2009“